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Nr. 2

2024  

Mit Beiträgen und Interviews informiert das KliK-Journal ergänzend zum Jahresbericht über Wissenswertes aus den nationalen und internationalen Tätigkeitsfeldern der Stiftung KliK.

Klimaschutz: lokal, global, wirksam

Schon seit 2013 fördert die Stiftung KliK in der Schweiz den Umstieg auf erneuerbare Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. So trug sie innert zehn Jahren mit ihrer Finanzierung dazu bei, dass mehr als 15 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent reduziert wurden. Diese Reduktionen wurden akribisch gemessen und vom Bund einzeln bestätigt. Doch werden weitere Emissionseinsparungen in der Schweiz immer komplexer und kostspieliger. Die finanziellen Anreize zur Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen, die die Stiftung KliK bieten kann, fallen nicht mehr automatisch auf fruchtbaren Boden.

Das Potenzial zum Einsatz des Kompensationsinstruments in der Schweiz ist somit weitgehend ausgeschöpft. Gleichzeitig will das Parlament, dass die Schweiz einen gewichtigen Beitrag zum Klimaschutz ausserhalb ihrer Grenzen leistet. Das Kompensationsinstrument kommt deshalb seit 2022 zum Einsatz, um entsprechende Klimaschutzaktivitäten im Ausland zu finanzieren. Diese müssen im Rahmen von Artikel 6 (A6) des Pariser Übereinkommens erfolgen. An dieser Strategie wird immer wieder Kritik laut, die nicht nur deren Vorteile ausblendet, sondern die auch materiell nicht stichhaltig ist. Dazu nur einige wenige Punkte:

  • A6-Klimaschutzaktivitäten werden von der Schweiz und vom Partnerland autorisiert. Dazu sind: die Zusätzlichkeit der Aktivität in Bezug auf deren Unwirtschaftlichkeit wie auch in Bezug auf das nationale Klimaziel (NDC) des Partnerlandes darzulegen; Doppelzählungen zwischen der Schweiz und dem Partnerland auszuschliessen; die Emissionsreduktionen durch Monitoring, Reporting und Verifizierung transparent und schlüssig nachzuweisen.

  • Im Partnerland entstehen mit der Aktivität Investitionen, Jobs, Ausbildungen und Trainings, Technologietransfers, Verbesserungen der Qualität der Gesundheit und der Umwelt u. v. a. m.

  • Nach Ende der Unterstützung durch die Stiftung KliK kann sich das Partnerland die anhaltenden Emissionsreduktionen an sein NDC anrechnen. Es kommt somit seinem Absenkpfad bis 2050 mit jeder zusätzlichen A6-Aktivität ein Stück näher.

Zu guter Letzt eine Erfolgsmeldung: Im Dezember 2023 wurden die historisch ersten A6-Zertifikate überhaupt ausgestellt, und zwar an die Stiftung KliK. Sie stammen aus den Emissionsminderungen des E-Bus-Programms in Bangkok, über das wir im KliK-Journal Nr. 1 berichtet haben. Ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung des Pariser Übereinkommens!

Freuen Sie sich auf viele spannende Einblicke in unserem KliK-Journal Nr. 2.

Dr. Marco Berg

Geschäftsführer Stiftung Klimaschutz und CO₂­-Kompensation KliK

Fokus

Inter
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Die Schweiz nutzt den Artikel 6 des Pariser Übereinkommens, der den Vertragsstaaten die Möglichkeit einräumt, ihre Klimaschutzziele durch internationale Kooperationen zu erreichen. Im Dezember 2023 hat die Schweiz mit Chile und Tunesien bilaterale Abkommen zur Umsetzung von Artikel 6 unterzeichnet. Damit kann die Stiftung KliK nun in 13 Partnerländern der Schweiz Klimaschutzaktivitäten finanziell unterstützen. Der Schwerpunkt des diesjährigen Journals liegt auf Ghana, das in der nationalen Umsetzung von Artikel 6 am weitesten fortgeschritten ist.

Ausgewählte internationale Aktivitäten

Klimaschutzaktivitäten im Rahmen des Pariser Übereinkommens müssen die Massnahmen der Partnerländer ergänzen und sollen dazu dienen, deren Ambitionen im Kampf gegen den Klimawandel zu steigern. Um dies zu erreichen, müssen die Aktivitäten sorgfältig ausgewählt und gemeinsam mit den Partnerländern entsprechend den lokalen Bedürfnissen konzipiert und umgesetzt werden.

Die Klimaschutzaktivität von ACT Commodities zielt darauf ab, über den Partner EcoGen 10’000 Biogasanlagen des Typs Sistema.bio in Malawi zu verteilen und zu installieren. Kleinbauern können eine stark vergünstigte, kleine Biogasanlage erwerben, die hauptsächlich mit Tierdung betrieben wird. Die Aktivität ermöglicht es den Landwirten, ihren Dung in einer hochwertigen, vorgefertigten Biogasanlage zu verarbeiten, wodurch die Boden- und Wasserverschmutzung durch Abwässer reduziert wird. Das in der Biogasanlage erzeugte Methan kann zum Kochen verwendet werden und wird bei der Verbrennung im Herd abgebaut. Dadurch verringern sich die Abhängigkeit von Biomasse zum Kochen und der Zeit- und Kostenaufwand für das Beschaffen von Feuerholz oder Holzkohle. Ausserdem werden Rauch und giftige Dämpfe vermieden. Die hocheffizienten Biogasanlagen sind einfach zu installieren und zu betreiben und liefern zudem Biodünger, der die Erträge der Landwirte steigert und so zu höheren Einkommen beiträgt.
Molkerei-Biogas in Malawi
Um den hohen Anteil an Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien im senegalesischen Stromnetz auszugleichen, stellen fossil befeuerte Reservekraftwerke derzeit die kurzfristige Anpassung der Stromerzeugung an den Verbrauch sicher. Der zukünftige Ausbau der regenerativen Stromerzeugung führt dabei zu einem zusätzlichen Bedarf an fossil befeuerten Reservekraftwerken. Die Stabilisierung des senegalesischen Stromnetzes und die Abkehr von der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sind die Hauptziele dieser Klimaschutzaktivität von ACT Commodities und Ongresso Energy. Dazu werden sowohl autarke Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) als auch mit erneuerbaren Energien gekoppelte BESS installiert. BESS reduzieren den Bedarf an fossilen Reservekraftwerken und damit den Ausstoss von Treibhausgasen.
Batteriespeicher und erneuerbare Energien im Senegal
Die Klimaschutzaktivität "Solar Rooftop 500" unterstützt die Bemühungen der marokkanischen Regierung, ihre Ziele für erneuerbare Energien bis 2030 als bedingte Massnahme im Rahmen ihres NDC zu erreichen. Für die Operationalisierung und Umsetzung der PV-Dachanlagenprojekte im Industrie- und Gewerbebereich in Marokko ist das Unternehmen ACS Consulting zuständig. Das Ziel der Aktivität ist, die Einführung von Solartechnologien zu beschleunigen, indem sie die Installation neuer 500-MWp-Photovoltaik-Dachanlagen im Industrie- und Gewerbebereich bis 2030 fördert. Die Aktivität konzentriert sich auf Eigenverbrauchsanlagen und enthält eine Komponente zur Beseitigung finanzieller Barrieren aufgrund hoher Anfangsinvestitionskosten und zur Verringerung des technischen und organisatorischen Aufwands, mit dem Unternehmen bei der Einführung von Solartechnologien konfrontiert sind.
Solardächer in Marokko
Die von ACT Commodities und Envirofit gemeinsam entwickelte Klimaschutzaktivität wurde im Januar 2024 seitens Schweiz und Ghana autorisiert. 180’000 optimierte Kochherde werden an Kleinbauern in ländlichen und in stadtnahen Gebieten Ghanas zu einem durch die Stiftung KliK vergünstigten Preis verkauft, der unter den Selbstkosten liegt. Die Vorfinanzierung für Produktion und Vertrieb wird von BIX Capital und Spark+ Africa Fund bereitgestellt und in Verbindung mit dem Zugang zu einem revolvierenden Verbraucherkreditfonds angeboten, der von etablierten Village Savings and Loan Associations zur Verfügung gestellt wird. Das Produkt soll die Akzeptanz und die Nutzungsraten erhöhen, den lokalen Marktzugang fördern, Anreize für Unternehmer schaffen und die Entwicklung eines nachhaltigen Marktes unterstützen. Produktdemonstrationen zeigen die Effizienz der Herde und verdeutlichen die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteile eines geringeren Brennstoffverbrauchs. Die Herdmodelle werden von Envirofit Ghana vor Ort hergestellt, wodurch in der gesamten Wertschöpfungskette rund 300 neue Arbeitsplätze entstehen.
Optimierte Kochherde im ländlichen Ghana
Fokus

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Die Stiftung KliK unterstützt sowohl bewährte als auch neue, innovative Technologien für den Klimaschutz. Ein gutes Beispiel hierfür sind in der Schweiz die Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Dank einer Förderung können diese die Emissionen verschiedener Treibhausgase mit massgeschneiderten Aktivitäten optimal reduzieren.

Unterstützung für Städte und Gemeinden

Ob Heizen mit erneuerbaren Energien, klimafreundliche Mobilität oder effiziente Ressourcennutzung – die Transformation zu einer nachhaltigen kommunalen Energiepolitik unter dem Dach des Netto-Null-Ziels bis 2050 stellt Gemeinden und Städte vor immense Herausforderungen. Drei Praxisbeispiele zeigen, wie Förderprogramme der Stiftung KliK eine nachhaltige Klimapolitik auf kommunaler Ebene unterstützen.

Innert zehn Jahren hat das Dorf Couvet, das in der Gemeinde Val-de-Travers liegt, ein neues Fernwärmekonzept umgesetzt. 2009 erhielt Masai Conseils SA von der Gemeinde den Auftrag, gemeinsam mit den kommunalen Förstern eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, das regionale Potenzial der 600 Hektar Holz aus der Umgebung zu untersuchen und die Höhe der Investition sowie den Wärmepreis, der sich aus der neuen Wärmelösung ergibt, zu identifizieren. Im Jahr 2019 waren bereits 30 Gebäude an ein 4,5 Kilometer langes Fernwärmenetz angeschlossen. Die Teilnahme am Förderprogramm Wärmeverbünde der Stiftung KliK machte es möglich, dass der Wärmepreis, der vom Generalrat freigegeben wurde, gehalten werden kann. Bis heute konnte der Wärmeverbund auf 38 weitere Anschlüsse, verteilt auf 68 Abnehmer, erweitert werden. Infos zum Förderprogramm: klik.ch/waermeverbuende
Fernwärme in Couvet
Das Energieversorgungsunternehmen Energie Ausserschwyz AG ist verantwortlich für den Aufund Ausbau eines Fernwärmenetzes, das sich in Zukunft über mehr als zehn Ortschaften im Kanton Schwyz erstrecken soll. Viele Gemeinden zeigen schon in der Realisierungsphase des Wärmeverbunds Interesse. Oft fällt die alte Heizung einer Liegenschaft aber schon vor der Planung eines Anschlusses an die Fernwärme aus. Als Übergangslösung werden Heizungen mit fossilen Brennstoffen eingesetzt. Damit entgeht dem Wärmeverbund eine zusätzliche wertvolle Auslastung. Um den direkten Umstieg zu gewährleisten, hat sich Energie Ausserschwyz ein besonderes Geschäftsmodell ausgedacht: Es werden lokale, kleinste Wärmenetze erstellt, die durch mobile Pelletheizungen versorgt werden. Das bringt nicht nur einen zusätzlichen Anschluss ein, sondern ist auch klimafreundlich. Mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes wird die Übergangslösung in naher Zukunft durch reguläre Fernwärme abgelöst. Infos zum Förderprogramm: klik.ch/mobile-heizungen
Mobile Pelletheizungen in Freienbach
Als ein Stadtratsbeschluss die Prüfung alternativer Antriebssysteme für städtische Fahrzeuge forderte, war für den Entsorgungsdienst der Stadt Winterthur klar: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Betrieb eines elektrisch angetriebenen Kehrichtsammelfahrzeugs zu prüfen. Im Jahr 2020 rollte das erste elektrisch betriebene Kehrichtfahrzeug über die Strassen der Stadt Winterthur. Das klimafreundliche E-Sammelfahrzeug ist nicht nur ein Blickfang für die Bewohner, es weckt auch nicht mehr frühmorgens, weil es viel weniger Lärm macht, es stösst keine Abgase aus, und im Vergleich zu Diesel verbraucht es im Stop-and-go-Betrieb viel weniger Energie. Die Vorteile haben sich in der Praxis bestätigt, sodass seit Herbst 2023 ein weiteres E-Sammelfahrzeug im Einsatz steht und in den nächsten Jahren schrittweise nochmals sechs E-Sammelfahrzeuge in Betrieb genommen werden. Infos zu Förderprogrammen für E-Mobilität: klik.ch/verkehr
Erstes E-Sammelfahrzeug in Winterthur

Zahlen
und
Fakten

Wie viele Mio. Tonnen CO₂ wurden seit der Gründung der Stiftung KliK in der Schweiz bereits eingespart? Mit wie vielen Ländern besteht aktuell ein bilaterales Abkommen für den Klimaschutz? Entdecken Sie ausgewählte Zahlen und Fakten zur Einstimmung auf den Jahresbericht.

0

13 Länder verfügen aktuell über ein bilaterales Klimaschutzabkommen mit der Schweiz (hier aufgezählt nach Unterzeichnungsdatum). Mit Kenia wurde am 7. September 2023 eine Absichtserklärung zum kooperativen Klimaschutz unterzeichnet. Emissionsminderungen können der Schweiz angerechnet werden, wenn die entsprechenden Klimaschutzaktivitäten die Massnahmen des Partnerlandes ergänzen und damit dessen Ambition erhöhen.

1
Peru
2
Ghana
3
Senegal
4
Georgien
5
Vanuatu
6
Dominica
7
Thailand
8
Ukraine
9
Marokko
10
Malawi
11
Uruguay
12
Chile
13
Tunesien
2.51
Verkehr
4.78
Unternehmen
1.14
Gebäude
0.20
Landwirtschaft
2.28
Projekte
11.19
Schweiz
6.05
International

Zwischen 2022 und 2030 erwartete vertragsgemässe Wirkung aus Klimaschutzaktivitäten in Mio. Tonnen CO₂e (Stand Ende 2023).

0

Mehr als 2000 E-Busse sorgen Ende 2023 in der Metropolregion Bangkok für Emissionsreduktionen. In der Schweiz sind es zu diesem Zeitpunkt 390 Elektro- und Hybridbusse.

pro Liter Benzin und Diesel werden seit dem 1. Januar 2024 von den Teilnehmern der Kompensationsgemeinschaft zur Finanzierung der Klimaschutzaktivitäten der Stiftung KliK im In- und Ausland erhoben.

0%

der Treibstoffemissionen müssen im Jahr 2024 kompensiert werden (gegenüber 17 Prozent im Jahr 2022 und 20 Prozent im Jahr 2023). Dies darf höchstens zu einem Viertel im Ausland erfolgen.

0

Über 15 Mio. Tonnen CO₂e wurden seit 2013 mit Unterstützung der Stiftung KliK in der Schweiz eingespart.

166.00
Verkehr
124.00
Unternehmen
117.00
Gebäude
145.00
Landwirtschaft
123.00
Projekte
133.00
Schweiz
27.00
International

Durchschnittliche Kosten in Franken je zwischen 2022 und 2030 kompensierter Tonne CO₂e.

Die Stiftung KliK – Rückschau und Ausblick

Das Schweizer CO₂-Gesetz nutzt verschiedene Instrumente, um die Emissionen von Treibhausgasen zu vermindern. Eines davon verpflichtet die Importeure fossiler Treibstoffe, 2022 bis 2024 ein Fünftel der CO₂-Emissionen des Verkehrssektors zu kompensieren. Die Importeure haben die Stiftung KliK mandatiert, für sie diese gesetzliche Pflicht zu erfüllen. Die Kompensation erfolgt über die Finanzierung von Klimaschutzprojekten, die eine entsprechende Menge an Treibhausgasen reduzieren.

In den Jahren 2022 bis 2024 sind es hauptsächlich Klimaschutzaktivitäten in der Schweiz, die zur Erfüllung der Kompensationspflicht dienen. Dabei geht es um den Umstieg auf erneuerbare Energien und die Steigerung der Energieeffizienz in der Wärmeversorgung und im Verkehr sowie um diverse Massnahmen zur Reduktion von Methan, Lachgas und stark schädigenden Kühlmitteln in der Industrie und in der Landwirtschaft.

Seit 2022 kann ein gewisser Teil der Kompensationspflicht auch mit Klimaschutzaktivitäten im Ausland erfüllt werden. Von den erforderlichen Reduktionen von voraussichtlich 8,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent im Zeitraum 2022 bis 2024 dürfen maximal 2,1 Millionen aus dem Ausland stammen. Der komplexe und langwierige Aufbau der Kooperationen unter Artikel 6 des Pariser Übereinkommens, in deren Rahmen die Klimaschutzaktivitäten stattfinden müssen, führt aber dazu, dass bis 2024 wohl nur ausländische Reduktionen von 0,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent zertifiziert werden können.

Für die Jahre 2025 bis 2030 ist mit einem starken Anstieg der Verpflichtung zur Kompensation der fossilen Treibstoffemissionen zu rechnen. Voraussichtlich muss im Jahr 2030 bereits die Hälfte der Emissionen kompensiert werden. Da das Potenzial für Reduktionsprojekte in der Schweiz unter den gegebenen Rahmenbedingungen weitgehend ausgeschöpft ist, nimmt vor allem der Bedarf an Finanzierung ausländischer Klimaschutzaktivitäten zu. Die Stiftung KliK rechnet damit, etwa 20 Millionen internationale Bescheinigungen, sogenannte ITMOs (Internationally Transferred Mitigation Outcomes), dem Bund abliefern zu müssen.